Wohin uns die Reise der Gier führt

Vor kurzem fand ich von einer nicht unbekannten deutschen Fluggesellschaft einen Hinweis auf das neue Angebot von »Business Class Reisen«, zum Beispiel einmal Abu Dhabi und zurück für 2.599 Euro, incl. sechs Übernachtungen mit Frühstück und Privattransfers. Scrollte man hoch, fand man die Angebote für das Normalvolk, das auf den immer enger werdenden Plätzen der Economy Class sitzt und darauf trainiert wird, Schnäppchen zu jagen und aus dem Hirn zu verdrängen, dass irgendwer ja diese Kosten tragen muss, die man ihm erspart. Am Ende womöglich die (in welchem Land auch immer) arbeitende Bevölkerung? Oh je, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken. Wir haben’s ja selbst so schwer. Weiterlesen

Februar 17, 2015Permalink 2 Kommentare

Vom Sinn, sich erschüttern zu lassen

Wie ist es eigentlich möglich, frage ich mich aus aktuellem Anlass seit ein paar Wochen häufiger, dass Menschen wegsehen? Wie schaffen sie es, etwas auszublenden, das sie nicht sehen wollen? Ich meine: wie gelingt es ihnen »bewusstseinstechnisch«, so etwas zu bewerkstelligen?

Wir alle sind fähig zu Mitgefühl und Einfühlungsvermögen. Jeder von uns. Selbst Hitler liebte seinen Schäferhund. Es ist also nicht so, als würden grausame Menschen diese Fähigkeit gar nicht besitzen; sie entscheiden sich nur einfach, sie lediglich bestimmten Kontexten und Lebewesen zukommen zu lassen und ansonsten ihr anderes, kaltes Gesicht zu zeigen. Weiterlesen

Wandel leben

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, ein neues steht bevor. Wie immer inspiriert uns der äußere Wandel, in unserem Leben Veränderungen herbeizuführen.

Alles mögliche nehmen wir uns vor – und machen dann, wie jedes Jahr, die Erfahrung, dass es so einfach nicht ist mit der Veränderung.

Vielleicht liegt es daran, dass wir etwas anders haben wollen, aber nicht anders werden wollen. Wir wollen verändern, was uns nicht gefällt, aber nicht zulassen, das wir verändert werden. Wir wollen nicht ans Eingemachte – an unsere innere Struktur.

Genau sie ist es aber, die uns davon abhält, glücklich und geschmeidig genug zu sein, um den Stürmen des Lebens standhalten zu können und intuitiv zu wissen, was für uns richtig ist.

Wenn wir uns also wirklich etwas fürs nächste Jahr vornehmen wollen – oder warum nicht schon für morgen? -, warum richten wir unsere Energie dann nicht auf das Ziel, jene Kraft in uns freizulegen, die uns unsere innere Struktur zu verändern hilft?

Die uns hilft, uns wie ein Bambus im Wind werden zu lassen: flexibel und mit innerer Stärke versehen, verwurzelt und beweglich und auf diese Weise enorm lebendig. Kann es etwas Schöneres geben?

Was nicht von uns bleibt

Normalerweise lernen wir einen Menschen kennen, indem er sich mehr oder weniger in dem zeigt, was und wie er ist. Wir nehmen ihn über die Sinne wahr, hören ihn, sehen ihn, vielleicht riechen wir ihn auch, wir analysieren möglicherweise seine Worte, legen Bedeutung in das, was wir von ihm wissen. Und irgendwann, manchmal nach kurzer Zeit, manchmal nach einer halben Ewigkeit, glauben wir, diesen Menschen zu kennen. Er ist da, präsent in unserem Kopf. Wenn er eines Tages geht, was bleibt dann von ihm? Eindrücke, die wir nicht vergessen können, auch wenn sie allmählich in einen Bereich unseres Hirns rutschen, den wir nicht mehr ständig aufsuchen. Weiterlesen

Oktober 30, 2014Permalink 5 Kommentare

Wie Kinderseelen geopfert werden – Marion Zimmer Bradley & Co.

»Es ist ein unheimlich spannendes Verfahren«, wird Staatsanwaltsschafts-sprecher Alexander Badle im Zusammenhang mit den Ermittlungen im jüngsten Fall von Kinderpornographie in Deutschland zitiert.

Ein Satz, der so oft wiederholt wird, wie der Artikel im Netz auftaucht. Ein Satz, der mir eine Gänsehaut bereitet.

Genauso wie die im Zusammenhang mit den Missbrauchsenthüllungen um Marion Zimmer Bradley erhobene Forderung, man müsse Werk und Autor(in) trennen. Oder wie die Tatsache, dass Jimmy Savile, gefeierter BBC-Moderator in Großbritannien, ungehindert mindestens 500 (verbürgte) Missbrauchs- und Vergewaltigungstaten in psychiatrischen Kliniken verüben konnte, obwohl mehrfach von Opfern darauf hingewiesen wurde. Oder wie die Reaktion des Reformpädagogen Hartmut von Hentigs, der die Missbrauchstaten an der Odenwaldschule unter Leitung seines Freundes und Täters Gerold Becker beschönigte und die Kinder als Verführer darstellte. Weiterlesen

Licht und Dunkelheit II – Die Höhlen von Mallorca

Als ich plante, Urlaub auf Mallorca zu machen, hatte ich nicht im Sinn, mich in die Dunkelheit zu begeben. Mich reizte das Licht, die Sonne, die Wanderungen und das Meer, aber es war nicht meine Absicht, meine kostbare Urlaubszeit irgendwo im Innern von Felsgestein zu verbringen. Als freiberufliche Übersetzerin sitze ich wahrlich genug im Innern. Und dann war es ja nicht so, als hätte ich noch nie eine Tropfsteinhöhle gesehen …

Dann las ich durch Zufall etwas darüber. In einer dieser Höhlen – den Coves del Drac – soll sich einer der größten unterirdischen Seen befinden, hieß es. Andere – nicht offen zugängliche – reichen Hunderte von Metern in die Tiefe. Lediglich mit großer Erfahrung und geführt von bestimmten Wanderveranstaltern kann man diese Höhlen erklettern – senkrecht nach unten in schmale Schächte hinein und hinauf zum Beispiel, etwa 12 Stunden lang. Keine Frage, das war nichts für mich, aber ich war neugierig geworden. Vielleicht, wenn es regnete?

Es regnete tatsächlich. Von den sechs Tagen, die ich im Mai auf Mallorca verbrachte, erwischte ich vier Sonnentage, an denen ich beeindruckende Wanderungen machen konnte – fast immer mit Meerblick -, und zwei Regentage. Es sollte also wohl so sein, und so besuchte ich an einem dieser Tage zwei und am anderen – dem letzten – nach einer wegen Nässe abgebrochenen Wanderung noch eine weitere Höhle.

Drei Höhlen – die Coves d’Artà, die Coves del Drac und die Coves de Hams – und alle vollkommen unterschiedlich. Nicht nur in der Art, wie sich sich den Touristen präsentieren, sondern auch im Hinblick auf die Ausgestaltung der Formationen, die sich über Millionen von Jahren hinweg herausgebildet haben. Deckenhöhe, Luftqualität, Raumgröße und ähnliche Faktoren sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Und doch haben sie alle ihren eigenen Reiz:

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Coves d’Artá

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Coves del Drac

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Coves de Hams

Die Frage, ob die kitschige Beleuchtung in den Coves de Hams wirklich nötig sind, ist sicher berechtigt. Aber man sieht offenbar keinen Anlass, von dem seit Jahrzehnten bestehenden Konzept abzuweichen. Und die Besucherzahlen geben dem anscheinend recht – riesige Menschenmassen strömen hier durch, vor allem während der Hauptsaison.

Den Scharen an Besuchern ist es auch zu verdanken, dass fast nirgendwo ernstzunehmende wissenschaftliche Informationen angeboten werden. Wobei die Coves del Drac immerhin konsequent genug sind, gleich total auf irgendwelche Worte zu verzichten. Das, was man in den Coves d’Artà zu hören bekommt – man schmückt sich dort mit einem angeblich höheren wissenschaftlichen Anspruch – ist es jedenfalls nicht wert. Und ob man unbedingt eine Jules-Verne-Darbietung in den Coves de Hams braucht, weiß ich auch nicht, ist aber natürlich Geschmackssache. Weiterlesen

Gedanken zu Licht und Dunkelheit I

Gewöhnlich gilt die Dunkelheit als das Reich, in dem das Böse lauert. Licht ist Liebe, Schwärze ist Hass und Finsternis. Seit uralten Zeiten findet sich diese Einteilung in den Phantasien von Menschen.

Was aber ist der Ursprung dieser Aufteilung von Gut und Böse in Hell und Dunkel? Und was hat es damit auf sich, dass manche Dinge die Dunkelheit benötigen, um überhaupt werden zu können? Sind Nachtinsekten weniger wert als wir? Beruht dieser Dualismus nicht vielleicht nur auf der schlichten Tatsache, dass der Mensch in der Dunkelheit nicht gut sieht und deshalb verunsichert ist?

Vor ein paar Jahren bin ich einmal in eine unbewirtschaftete Schwarzwaldhütte gewandert. Es war eine Art Test, ich wollte sehen, wie ich mich fühle, wenn ich die ganze Nacht allein in oder bei einer Hütte ohne Strom und Licht (abgesehen von Kerzen) bin, einer Hütte, die zudem nur von außen, nicht aber von innen abschließbar war. Vor allem wollte ich nachspüren, wie es ist, draußen „Wache“ zu halten, wie es in Fantasy-Romanen so oft geschieht (dies auch deshalb, weil ich selbst an einem schreibe). Weiterlesen