Der Klang der Welten

Der Buddhismus sagt, die Gier des Menschen – immer mehr haben zu wollen – sei eine der Ursachen für sein Leiden, und wenn ich auch glaube, dass die Gründe für diese Gier sehr unterschiedlicher Art sein können (viele Menschen wirken zwar gierig, aber nicht, weil sie immer mehr wollen, sondern weil ein grundlegendes frühes Bedürfnis noch nach Erfüllung strebt), wird der Mensch zweifellos von Bedürfnissen bestimmt, die leicht außer Kontrolle geraten können.

Vorgestern war ein Tag, an dem mich zwei völlig gegensätzliche Erlebnisse durch ihre zeitliche Nähe mit dem Gedanken der Gier in Kontakt brachten.

Mittags war ich mit einem guten Freund auf dem Weihnachtsmarkt und erfuhr nebenbei, dass der Durchschnittsbürger anscheinend mittlerweile nicht mehr nur mit einem Kühlschrank auszukommen vermag, sondern derer gleich zwei braucht. Aber nicht etwa wegen gestiegener zu versorgender Personenanzahl, sondern zum Schutz der Speisen. Die, so ließ ich mich als antiquierte Einkühlschrank-Besitzerin aufklären, besser fein säuberlich getrennt nach süß und salzig-sauer-herb aufbewahrt werden. Eigentlich hatte ich dieses Thema immer für die Domäne von Tupperware & Co. gehalten, aber anscheinend schreitet die Zeit auch in anderen Bereichen als der digitalen Revolution weiter voran – und offensichtlich an mir vorbei. Weiterlesen

Yann Martel – Life of Pi

Yann Martel, Autor des Bestseller-Romans »Life of Pi«, der durch Ang Lees wunderbare Verfilmung viele Jahre nach seinem Ersterscheinen noch einmal kräftig ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, wird heute 50 Jahre alt.

Yann Martel; Quelle: Wikipedia
Yann Martel; Quelle: Wikipedia

Ich kannte das Buch nicht, bevor ich »Life of Pi« (deutscher Titel: »Schiffbruch mit Tiger«) sah, und ich hatte auch von dem Autor noch nie gehört, da ich damals sehr mit anderen Dingen beschäftigt gewesen war. Inzwischen habe ich den Film fünf mal gesehen (davon vier mal im Kino), und das Buch verschlungen. Es gibt nicht viele Werke, bei denen mich Buch und Verfilmung gleichermaßen begeistern; dies ist einer der wenigen Fälle, in denen es so ist.

Der Film beeindruckt mich durch die spirituelle Kraft einerseits und die Verwandlung von Pi, der seine eigene Angst in gestaltende Kraft zu transformieren vermag, um letztlich durch die Hingabe an eine höhere Macht die wahre Rettung – seine innere Kraft – zu finden. Der Film ist eine einzige Aufforderung, ebenfalls nach dieser Kraft, diesem Vertrauen zu suchen bzw. es in sich zuzulassen. Weiterlesen