Das Geheimnis der Bäume und der Mensch

»Es war einmal ein Wald« – so der Film »Das Geheimnis der Bäume« von Luc Jacquet im französischen Original – gehört für mich zu den wunderbarsten Filmen, die ich je gesehen habe. Wegen der Bilder, die er vom Regenwald zeigt, aber auch wegen der hervorragenden Einbindung von Animationen, durch die etwas erlebbar wird, das uns gewöhnlich verschlossen bleibt: die Bewegung des Baumes, der Kreislauf des Lebens, das Geben und Nehmen eines unglaublich ausgeklügelten Ökosystems.

Luc Jacquet, der dem Botaniker Francis Hallé in den Regenwald gefolgt ist, zeigt uns, dass Bäume alles andere als so passiv und bewegungslos sind, wie ich es noch in der Schule gelernt habe. Er zeigt, wie der Baum in einer aktiven Symbiose mit Kleinsttieren lebt, die sich in ihm ihr Heim errichten und ihn von innen schützen. Er zeigt, wie er wittern kann, wenn ein Aggressor seinen Lebensraum betritt, und er seine Blätter giftig werden lässt, wie Bäume sich so untereinander warnen. Er zeigt, wie er in Zeiten zu langer Trockenheit Duftstoffe in die Luft schickt, die wie feine Staubpartikel Feuchtigkeit ansammeln, die wiederum schwerer werden, Wolken erzeugen, bis diese sich schließlich abregnen. Weiterlesen

Nie zu spät für eine glückliche Kindheit?

Durch Zufall bin ich vor kurzem auf ein Buch gestoßen, das den wunderbaren Titel trägt »Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben«.

Wunderbar finde ich den Titel deshalb, weil er so schön schillert, changiert, dynamisch ist. Der Widerspruch will geklärt werden, das Gehirn verlangt, das Rätsel, das zweifellos darin liegt, aufzulösen. Wie soll schließlich etwas, das vorbei ist, noch verändert werden können? Nach allem, was wir wissen, geht das nicht. Und das Buch richtet sich ja auch nicht an jene, die noch Kinder sind, sondern an Erwachsene, deren Kindheit eindeutig vorüber ist. Was also verbirgt sich dahinter?

Zunächst einmal: der Titel stammt nicht vom Autor Ben Furman selbst, sondern – wie er selbst schreibt – von der Windschutzscheibe eines Motorrads, das einmal an ihm vorbeigefahren ist. Und das Ziel des Buches besteht darin, den Mythos in Frage zu stellen, demzufolge unser ganzes Leben entscheidend vom Verlauf unserer Kindheit beeinflusst wird. Weiterlesen