Wohin uns die Reise der Gier führt

Vor kurzem fand ich von einer nicht unbekannten deutschen Fluggesellschaft einen Hinweis auf das neue Angebot von »Business Class Reisen«, zum Beispiel einmal Abu Dhabi und zurück für 2.599 Euro, incl. sechs Übernachtungen mit Frühstück und Privattransfers. Scrollte man hoch, fand man die Angebote für das Normalvolk, das auf den immer enger werdenden Plätzen der Economy Class sitzt und darauf trainiert wird, Schnäppchen zu jagen und aus dem Hirn zu verdrängen, dass irgendwer ja diese Kosten tragen muss, die man ihm erspart. Am Ende womöglich die (in welchem Land auch immer) arbeitende Bevölkerung? Oh je, darüber wollen wir lieber nicht nachdenken. Wir haben’s ja selbst so schwer. Weiterlesen

Februar 17, 2015Permalink 2 Kommentare

Was Bäumefällen und das Gehirn miteinander zu tun haben

»Mein Freund, der Baum«, sang Alexandra vor einer halben Ewigkeit, und schon damals, als ich noch ein Kind war und zu ihren und anderen Liedern gemeinsam mit meinem jüngeren Bruder um den Wohnzimmertisch herumstapfte, machte das Lied mich traurig.

Vor ein paar Tagen wurde ich unfreiwillig daran erinnert, denn beim Aufstehen begrüßte mich Motorengeräusch aus dem Garten meiner Mietwohnung. Mein erster Impuls war Wut und Verärgerung, dann folgte eine Art Resignation. Der Baum, der jetzt gefällt wurde, war nicht der erste Baum. Das Baumhaus, wie ein Freund fünf Jahre zuvor bei meinem Einzug meinen Balkon genannt hatte, gibt es längst nicht mehr, denn jedes Jahr wurden mehr Bäume gefällt. Jetzt stehen noch ganze drei von den fast zehn am Tage meines Einzugs. Wenn auch die letzten drei fallen, habe ich in alle Richtungen freien Blick auf Stein und Beton. Aber es ist nicht nur das: wenn die Bäume fehlen, fehlen auch die Vögel, und es wird in jeder Hinsicht ärmer werden. Weiterlesen

Winterruhe oder Weihnachtsstress

Eigentlich ist der Winter in unseren Breiten ja die Zeit des Rückzugs. Die Natur begibt sich zur Ruhe, um möglichst wenig Energie zu verbrauchen, denn in der Kälte ist vieles erstarrt, das Sonnenlicht ist magerer, die Menge an Fresstieren ebenfalls reduziert oder sie sind schwerer zu erbeuten, und  die ganze herrliche Fülle des Sommers und Herbstes – Beeren, Wurzeln und so weiter – hat sich davongemacht. Es ist sinnvoll, sich da nicht zu verausgaben, sondern auf ein Minimum an Tätigkeiten zu beschränken und mit der geringeren Energie sorgfältig umzugehen.

Tiere und Pflanzen tun das – so lange man sie nicht daran hindert -; der Mensch, der sich schon seit langem von den natürlichen Verläufen abgetrennt hat, natürlich nicht. Im Gegenteil; er fängt an, emsig Päckchen zu packen, zu kaufen, zu verschnüren, zu schmücken, Weihnachtsfeiern zu gestalten, hinzugehen, zu erdulden. Das Weihnachtsgeschäft, diese Hoch-Zeit des Verkaufs, fordert zusätzlich seinen Tribut, denn jetzt ist Not an der Frau und am Mann, von wegen Ruhe und Rückzug und Einklang mit den natürlichen Bedürfnissen unseres Körpers. Weiterlesen