Neil Gaiman: vorübergehender Rückzug aus Social Media

Neil Gaiman dürfte zu jenen Menschen zählen, die mit einer besonderen Kreativität gesegnet sind, oder, anders formuliert, die das Glück haben, mit der Kreativität verbunden zu sein, die in allen Menschen schlummert. Spätestens seit der preisgekrönten Comic-Serie Sandman und Romanen wie American Gods ist er aus der literarischen Szene nicht mehr wegzudenken. Tatsächlich hat er einen enorm sprühenden Geist, wie ich in den Interviews, die ich Anfang der 1990er für das Comic-Magazin Speedline machen durfte, persönlich feststellen konnte.

Die 500.000 Facebook-Fans, 1,8 Millionen Twitter-Followers und 1,5 Millionen Blog-LeserInnen verwundern daher nicht. Allerdings werden all diese Anhänger im ersten Halbjahr des nächsten Jahres auf einen elektronischen Kontakt zu ihm verzichten müssen, denn der Autor hat sich – zugunsten seiner Kreativität – entschieden, ein Social-Media-Sabbatical einzulegen, wie er vor etwa zwei Wochen gegenüber dem Guardian erklärt hat.

Neil Gaiman 2009; Quelle: Wikipedia
Neil Gaiman 2009; Quelle: Wikipedia

Damit steht Gaiman nicht allein da; es ist allgemein zu beobachten, dass viele Prominente sich nach einer Phase intensiver Hinwendung zu sozialen Netzwerken phasenweise oder teilweise wieder davon lösen, um den Strukturen, die diese Netzwerke auf Dauer ausüben, nicht zu sehr zu erliegen: indem man bei allem, was man erlebt oder denkt oder tut, immer gleich ans »Teilen« denkt und auf diese Weise die Möglichkeit mindert, das, was man erlebt, erst einmal für sich zu verarbeiten. Veräußerung statt Verinnerlichung, Oberflächlichkeit statt Tiefe. Weiterlesen